Kennst du das Gefühl, wenn du vor deiner AEVO-Prüfung sitzt und dir plötzlich klar wird: „Ich habe zwar ein Konzept erstellt – aber weiß ich eigentlich, warum ich diese Methode gewählt habe? Und warum genau diese Schritte?" Du starrst auf dein Papier und fragst dich, ob das, was du aufgeschrieben hast, überhaupt Sinn ergibt. Im Fachgespräch kommt dann die Frage: „Wie sind Sie auf diese Struktur gekommen?" Und du merkst: Du hast einfach eine Vorlage kopiert, ohne wirklich darüber nachzudenken. Diese Unsicherheit spüren Prüfer sofort – und sie kostet dich wertvolle Punkte.

Ich habe diese Situation bei der Prüfungsvorbereitung immer wieder gesehen: Kandidaten schreiben ein Konzept, ohne sich die grundlegenden Fragen zu stellen, die dahinterstehen. Das Grobkonzept ist aber nicht einfach ein Formular, das man ausfüllt. Es ist deine Gedankenskizze – der rote Faden, der zeigt, dass du systematisch planst. Egal ob du zum ersten Mal zur AEVO-Prüfung antrittst oder dich nach Jahren Praxis endlich zertifizieren lassen willst: Diese Fragen zum Grobkonzept tauchen garantiert auf, entweder direkt in der Prüfung oder indirekt im Fachgespräch.

Die gute Nachricht: Wenn du verstehst, welche Fragen hinter einem guten Grobkonzept stehen, wird deine Planung nicht nur prüfungssicher, sondern auch im Ausbildungsalltag sofort anwendbar. Du wirst nicht mehr raten, sondern begründet entscheiden können.

In diesem Artikel erfährst du, welche sieben Kernfragen du dir beim Erstellen eines Grobkonzepts stellen solltest und warum diese Fragen in der AEVO-Prüfung entscheidend sind. Ich zeige dir konkrete Praxisbeispiele aus verschiedenen Berufen und erkläre dir, wie du typische Fehler vermeidest. Außerdem bekommst du eine einfache Checkliste, mit der du dein Grobkonzept vor der Prüfung überprüfen kannst – damit du im Fachgespräch sicher und selbstbewusst antwortest.

Was ist ein Grobkonzept – und warum fragst du dich überhaupt etwas?

Das Grobkonzept ist deine strukturierte Planungsskizze für eine Ausbildungssituation. Es beschreibt in groben Zügen, wie du eine typische Ausbildungseinheit in deinem Beruf angehen würdest – von den Lernzielen über die didaktischen Methoden bis zur Kontrolle. Es ist nicht dasselbe wie das detaillierte Unterweisungskonzept mit acht ausformulierten Punkten, sondern bildet dessen Grundgerüst.

Die Fragen, die du dir zum Grobkonzept stellst, sind keine Schikane. Sie sind der Beweis, dass du systematisch und strukturiert denken kannst. Wenn du dir beim Erstellen deines Konzepts die richtigen Fragen stellst, zeigst du den Prüfern: Ich plane nicht willkürlich, ich überlege mir jeden Schritt bewusst. Das ist handlungsorientiertes Ausbilden – und genau das verlangt die AEVO.

In der Praxis nutzt du diese Fragen täglich. Wenn du eine neue Ausbildungseinheit planen musst, fragst du dich automatisch: Was soll der Azubi lernen? Welche Methode passt zu diesem Lernziel? Wie lange dauert das? Diese Fragen machen dein Grobkonzept nicht nur prüfungstauglich, sondern auch im Betrieb sofort umsetzbar.

Warum ist das Grobkonzept prüfungsrelevant?

Das Grobkonzept wird hauptsächlich in Handlungsfeld 1 (Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen) und Handlungsfeld 3 (Ausbildung durchführen) geprüft. Die AEVO fordert in §3, dass Ausbilder die Kompetenz zum eigenständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren der Berufsausbildung nachweisen müssen. Dein Grobkonzept ist der konkrete Beweis dieser Planungskompetenz.

In der praktischen AEVO-Prüfung präsentierst du dein Konzept mündlich. Die Prüfer möchten sehen, dass dein Grobkonzept eine berufstypische Alltagssituation beschreibt, die deinen Fachbereich abbildet. Im Fachgespräch nach der Präsentation werden dir Fragen zu deinem Konzept gestellt – etwa zur Begründung deiner didaktischen Entscheidungen. Genau hier zeigt sich, ob du dir beim Erstellen die richtigen Fragen gestellt hast oder einfach eine Vorlage kopiert hast.

Eine häufige Verwechslung: Viele Kandidaten denken, das Grobkonzept sei das detaillierte Unterweisungskonzept mit allen acht Punkten (Richtlernziele, Groblernziele, Feinlernziele, Materialien, Sozialformen usw.). Das ist falsch. Das Grobkonzept ist die Gedankenskizze, das Unterweisungskonzept ist die ausformulierte Version. Diese Unterscheidung ist prüfungsrelevant.

Die sieben Kernfragen zum Grobkonzept

Wenn du dein Grobkonzept erstellst, solltest du dir mindestens diese sieben Fragen stellen. Sie bilden das Gerüst deiner Planung und helfen dir, im Fachgespräch sicher zu antworten.

Frage 1: Was soll der Azubi am Ende können?

Das ist deine Lernzieldefinition. Ein gutes Lernziel ist konkret, messbar und beobachtbar. Vermeide vage Formulierungen wie „Der Azubi soll die Maschine verstehen". Frage dich stattdessen: Welche Handlung kann der Azubi nach dieser Einheit ausführen?

Beispiel Industriemechaniker: „Der Azubi kann nach dieser Einheit eine CNC-Maschine eigenständig bedienen, ein Werkstück einspannen und den Bearbeitungsvorgang ohne meine Hilfe starten."

Beispiel Industriekaufmann: „Der Azubi kann nach dieser Einheit einen Urlaubsantrag eigenständig im System prüfen, genehmigen oder ablehnen und die Entscheidung dem Mitarbeiter begründet mitteilen."

Diese Frage zeigt den Prüfern: Du weißt, worauf es ankommt. Du planst nicht ins Blaue, sondern mit einem klaren Ziel vor Augen.

Frage 2: Warum ist dieses Thema für den Azubi relevant?

Hier geht es um die Berufsrelevanz. Dein Thema muss in der Ausbildungsordnung deines Berufes vorkommen und sollte eine typische Alltagssituation sein, die der Azubi wirklich braucht. Frage dich: Ist das ein Thema, das jeder Azubi in meinem Beruf lernen muss? Oder habe ich mir etwas Exotisches ausgedacht, das in der Praxis kaum vorkommt?

Beispiel Schreiner: Das Thema „Schublade herstellen" ist relevant, weil es eine Grundfertigkeit im Schreinerwesen ist. Das Thema „Designerstühle entwerfen" wäre für einen Azubi im ersten Lehrjahr zu speziell und nicht in der Ausbildungsordnung vorgesehen.

Diese Frage beantwortest du vor allem für dich selbst – aber sie wird im Fachgespräch garantiert gestellt. Wenn du sagen kannst: „Dieses Thema steht in der Ausbildungsordnung unter Punkt X und ist typisch für den Arbeitsalltag", wirkst du professionell und gut vorbereitet.

Frage 3: Welche Methode passt zu diesem Lernziel?

Das ist die didaktische Begründung. Nicht jede Methode passt zu jedem Lernziel. Frage dich: Will der Azubi eine praktische Fertigkeit lernen (dann eignet sich die Vier-Stufen-Methode)? Soll er eigenständig Probleme lösen (dann ist die Leittextmethode besser)? Oder soll er ein komplexes Projekt planen (dann passt die Projektmethode)?

Beispiel Elektroinstallateur: Dein Azubi soll lernen, Stromkreise zu verkabeln. Du wählst die Vier-Stufen-Methode, weil du erst demonstrieren musst (Sicherheit!), dann lässt du den Azubi unter Anleitung üben, und schließlich führt er die Arbeit eigenständig durch. Diese Methode passt, weil es um eine praktische, sicherheitsrelevante Fertigkeit geht.

Beispiel Hotelfachmann: Dein Azubi soll lernen, mit schwierigen Gästen umzugehen. Du wählst ein Rollenspiel, weil der Azubi so in einer geschützten Umgebung verschiedene Situationen üben kann, ohne echte Gäste zu verärgern. Diese Methode passt, weil es um soziale Kompetenzen geht, die man durch Erfahrung lernt.

Diese Frage zeigt den Prüfern: Du planst nicht willkürlich, sondern begründet. Du kannst erklären, warum du diese Methode gewählt hast und nicht eine andere.

Frage 4: Wie lange dauert diese Ausbildungseinheit?

Das ist deine Zeitplanung. Ein realistischer Zeitrahmen zeigt, dass du nicht nur theoretisch planst, sondern die Praxis kennst. Frage dich: Wie viel Zeit braucht der Azubi wirklich, um diese Fertigkeit zu lernen? Plane nicht zu knapp (dann wird der Azubi gestresst und lernt nichts), aber auch nicht zu großzügig (dann verlierst du den Fokus).

Beispiel Fachlagerist: Wareneingang systematisch durchführen (Warenannahme, Kontrolle, Lagerplatzbestimmung, Einlagerung) dauert etwa 4 Stunden. Das ist realistisch, weil der Azubi in dieser Zeit mehrere Pakete bearbeiten und den Ablauf verinnerlichen kann.

Beispiel Industriekaufmann: Einen Urlaubsantrag bearbeiten dauert etwa 1-2 Stunden, wenn der Azubi zuerst den Prozess erklärt bekommt, dann selbst ein paar Anträge bearbeitet und abschließend Fragen klären kann.

Diese Frage ist im Fachgespräch wichtig: Wenn der Prüfer fragt „Wie lange dauert das?", zeigt deine Antwort, ob du realistisch planst oder ins Blaue hinein redest.

Frage 5: Wie kontrolliere ich, ob der Azubi es verstanden hat?

Das ist deine Lernerfolgskontrolle. Es reicht nicht, dem Azubi etwas zu zeigen und zu hoffen, dass er es verstanden hat. Frage dich: Wie stelle ich sicher, dass der Azubi das Lernziel erreicht hat? Welche konkrete Aufgabe oder Frage zeigt mir, dass er es kann?

Beispiel Industriemechaniker: Nach der Einweisung in die CNC-Maschine lässt du den Azubi eigenständig ein Werkstück bearbeiten, während du beobachtest. Wenn er den Vorgang ohne Fehler durchführt, weißt du: Er hat es verstanden.

Beispiel Einzelhandelskaufmann: Nach der Schulung zum Kassensystem lässt du den Azubi drei echte Verkäufe selbstständig durchführen. Wenn er alle Schritte korrekt ausführt (scannen, kassieren, Bon ausgeben), weißt du: Die Methode hat funktioniert.

Diese Frage zeigt den Prüfern: Du planst nicht nur die Durchführung, sondern auch die Kontrolle. Das ist vollständige Handlung – und genau das verlangt die AEVO.

Frage 6: Welche Besonderheiten muss ich beachten?

Das ist deine Risikoabschätzung. Frage dich: Gibt es Sicherheitsaspekte? Ist der Azubi minderjährig (dann greift das Jugendarbeitsschutzgesetz)? Braucht der Azubi Vorkenntnisse? Gibt es rechtliche Vorschriften (z. B. Datenschutz)?

Beispiel Elektroinstallateur: Sicherheitseinweisung ist zwingend erforderlich, bevor der Azubi überhaupt anfängt zu arbeiten. Das ist nicht nur didaktisch sinnvoll, sondern rechtlich vorgeschrieben.

Beispiel Industriekaufmann: Beim Bearbeiten von Urlaubsanträgen muss der Azubi die Datenschutzregeln kennen – er darf nicht einfach alle Mitarbeiterdaten öffentlich zeigen. Diese Besonderheit musst du in deinem Grobkonzept berücksichtigen.

Diese Frage zeigt den Prüfern: Du denkst nicht nur didaktisch, sondern auch verantwortungsbewusst. Du kennst die rechtlichen und praktischen Rahmenbedingungen deines Berufs.

Frage 7: Passt dieses Konzept zu meinem Betrieb?

Das ist die Praxistauglichkeit. Dein Grobkonzept muss nicht nur theoretisch sinnvoll sein, sondern auch in deinem konkreten Betrieb umsetzbar. Frage dich: Habe ich die Materialien? Habe ich die Zeit? Habe ich die Räumlichkeiten? Ist das eine Situation, die in meinem Betrieb wirklich vorkommt?

Beispiel Schreiner: Wenn du in einer kleinen Werkstatt ohne eigene CNC-Maschine arbeitest, macht es keinen Sinn, ein Grobkonzept zur CNC-Bedienung zu schreiben. Wähle stattdessen ein Thema, das deine Werkstatt wirklich abbildet – etwa „Handwerkliches Hobeln und Schleifen".

Diese Frage zeigt den Prüfern: Du bist kein Theoretiker, sondern ein Praktiker. Dein Grobkonzept ist keine Fantasie, sondern eine reale Alltagssituation.

Praxisbeispiele: So stellst du dir die Fragen konkret

Beispiel 1: Industriemechaniker – CNC-Maschine bedienen

Du bist Ausbilder in einer Fabrik. Dein Azubi im zweiten Lehrjahr soll lernen, wie man eine CNC-Maschine richtig bedient. Bevor du dein Grobkonzept schreibst, stellst du dir die sieben Fragen:

  • Was soll er können? Eigenständig ein Werkstück einspannen, das Programm starten und den Bearbeitungsvorgang überwachen.
  • Warum ist das relevant? Steht in der Ausbildungsordnung für Industriemechaniker, typische Alltagsaufgabe in unserer Fabrik.
  • Welche Methode? Vier-Stufen-Methode (erst zeige ich vor, dann macht er nach, dann übt er, dann führt er eigenständig durch).
  • Wie lange? Etwa 4 Stunden (1 Stunde Erklärung + Sicherheit, 3 Stunden praktisches Üben).
  • Wie kontrolliere ich? Der Azubi bearbeitet ein Werkstück eigenständig, während ich beobachte.
  • Besonderheiten? Sicherheitseinweisung zwingend erforderlich, Schutzkleidung, Azubi darf erst nach Demo selbst ran.
  • Passt es zu meinem Betrieb? Ja, wir haben zwei CNC-Maschinen und bearbeiten täglich Werkstücke – typische Alltagssituation.

Diese Fragen führen zu einem klaren, praxistauglichen Grobkonzept, das du im Fachgespräch sicher begründen kannst.

Beispiel 2: Einzelhandelskaufmann – Kassensystem einweisen

Du arbeitest in einem Supermarkt. Dein neuer Azubi soll lernen, wie man das Kassensystem bedient. Deine sieben Fragen:

  • Was soll er können? Einen Verkauf eigenständig durchführen (scannen, Bezahlung annehmen, Bon ausgeben, Kasse korrekt abschließen).
  • Warum ist das relevant? Grundfertigkeit für Einzelhandelskaufleute, steht in der Ausbildungsordnung, täglich notwendig.
  • Welche Methode? Modellernen: Ich zeige vor, erkläre jeden Schritt, der Azubi übt mit mir gemeinsam, dann führt er eigenständig durch.
  • Wie lange? Halber Arbeitstag (4 Stunden): 1 Stunde Erklärung, 2 Stunden gemeinsames Üben, 1 Stunde eigenständige Durchführung unter Beobachtung.
  • Wie kontrolliere ich? Der Azubi führt drei echte Verkäufe selbstständig durch, ich beobachte.
  • Besonderheiten? Kundenkontakt – ich achte nicht nur auf die Technik, sondern auch auf Freundlichkeit und Kommunikation.
  • Passt es zu meinem Betrieb? Ja, wir haben täglich Kundenverkehr, typische Alltagssituation.

Auch hier führen die Fragen zu einem klaren, begründeten Konzept.

Beispiel 3: Fachlagerist – Wareneingang systematisch durchführen

Du leitest ein Lager. Dein Azubi soll lernen, wie man ein Paket korrekt annimmt, überprüft und einlagert. Deine sieben Fragen:

  • Was soll er können? Ein Paket eigenständig annehmen, auf Beschädigungen überprüfen, die richtige Lagerkennzeichnung bestimmen und fachgerecht einlagern.
  • Warum ist das relevant? Kernaufgabe für Fachlageristen, steht in der Ausbildungsordnung, täglich mehrfach nötig.
  • Welche Methode? Vier-Stufen-Methode: Ich führe einen kompletten Wareneingang vor (Show), dann machen wir gemeinsam den nächsten (Shared Practice), dann macht er selbstständig, ich beobachte.
  • Wie lange? Etwa 4 Stunden an einem Vormittag (mehrere Pakete bearbeiten, damit der Ablauf sitzt).
  • Wie kontrolliere ich? Der Azubi bearbeitet ein Paket eigenständig, ich prüfe, ob er alle Schritte korrekt durchführt.
  • Besonderheiten? Sicherheitsaspekt (schwere Pakete, Gabelstapler in der Nähe), Lagersystem unseres Betriebs.
  • Passt es zu meinem Betrieb? Ja, wir haben täglich mehrere Lieferungen, typische Alltagssituation.

Typische Fehler beim Stellen der Fragen – und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Du stellst dir die Fragen nicht – du kopierst eine Vorlage

Viele Kandidaten googeln „Grobkonzept AEVO Vorlage", kopieren eine Struktur und füllen einfach die Lücken aus. Das Problem: Im Fachgespräch merken die Prüfer sofort, wenn du nicht selbst nachgedacht hast. Wenn der Prüfer fragt „Warum haben Sie diese Methode gewählt?", stammselst du, weil du dir diese Frage vorher nie gestellt hast.

Richtig: Schreibe dein Grobkonzept selbst, indem du dir die sieben Fragen stellst. Auch wenn du eine Vorlage nutzt, fülle sie nur aus, nachdem du dir jede Frage bewusst beantwortet hast.

Fehler 2: Du beantwortest die Fragen zu oberflächlich

„Was soll der Azubi lernen? – Naja, die Maschine bedienen." Das ist zu vage. „Wie lange dauert das? – Hängt ab, vielleicht 2-3 Stunden." Das ist keine Planung, das ist Raten.

Richtig: Beantworte jede Frage konkret und spezifisch. „Der Azubi soll ein Werkstück eigenständig einspannen, das Programm starten und den Vorgang überwachen." „Die Einheit dauert 4 Stunden: 1 Stunde Erklärung, 3 Stunden Üben."

Fehler 3: Du verwechselst Grobkonzept mit Unterweisungskonzept

Du schreibst ein 8-seitiges detailliertes Konzept mit Richtlernzielen, Groblernzielen, Feinlernzielen, Materialauflistung, exaktem Stundenplan und Evaluationsbogen. Das ist viel zu viel für ein Grobkonzept.

Richtig: Das Grobkonzept passt auf eine bis eineinhalb DIN-A4-Seite. Es ist die Gedankenskizze, nicht die detaillierte Planung. Wenn dein Konzept länger ist, ist es bereits ein Unterweisungskonzept.

Fehler 4: Du planst ohne Bezug zu deinem Betrieb

Du wählst ein Thema, das zwar theoretisch interessant ist, aber in deinem Betrieb gar nicht vorkommt. Beispiel: Du arbeitest in einer kleinen Werkstatt ohne CNC-Maschine, schreibst aber dein Grobkonzept zur CNC-Bedienung.

Richtig: Frage dich immer: „Kommt diese Situation wirklich in meinem Betrieb vor? Habe ich die Materialien, die Zeit, die Räumlichkeiten?" Dein Grobkonzept muss praxistauglich sein, nicht nur theoretisch sinnvoll.

Fehler 5: Du vergisst die Lernerfolgskontrolle

Du planst die Durchführung, aber nicht die Kontrolle. Du zeigst dem Azubi etwas, lässt ihn üben – und dann? Woher weißt du, ob er es verstanden hat?

Richtig: Plane immer eine konkrete Aufgabe oder Situation, mit der du den Lernerfolg überprüfst. „Der Azubi bearbeitet ein Werkstück eigenständig, während ich beobachte." Das zeigt vollständige Handlung – und das ist AEVO-relevant.

Kontrast-Technik: So sieht es aus, wenn du dir die Fragen stellst – oder nicht

Ohne die Fragen (Falsch gemacht):

Du sitzt vor deinem Laptop und denkst: „Ich brauche ein Grobkonzept für die Prüfung." Du googlest „AEVO Grobkonzept Vorlage", findest eine Struktur und füllst aus: „Thema: Maschine bedienen. Methode: Erklären und Üben. Dauer: ein paar Stunden." Das ist alles. Im Fachgespräch fragt der Prüfer: „Warum haben Sie diese Methode gewählt? Wie kontrollieren Sie den Lernerfolg?" Du antwortest zögernd: „Naja, ich zeige es halt und dann macht der Azubi das nach." Der Prüfer merkt: Du hast nicht systematisch geplant, du hast nicht nachgedacht. Das wirkt improvisiert und unsicher.

Mit den Fragen (Richtig gemacht):

Du sitzt vor deinem Laptop und stellst dir bewusst die sieben Fragen. Du schreibst auf: „Thema: CNC-Maschine bedienen. Lernziel: Der Azubi kann ein Werkstück eigenständig einspannen, das Programm starten und den Vorgang überwachen. Methode: Vier-Stufen-Methode, weil der Azubi zuerst zuschauen muss (Sicherheit), dann üben kann und dann eigenständig arbeitet. Dauer: 4 Stunden (1 Std. Erklärung, 3 Std. Üben). Kontrolle: Der Azubi bearbeitet ein Werkstück eigenständig, ich beobachte." Im Fachgespräch fragt der Prüfer: „Warum haben Sie diese Methode gewählt?" Du antwortest sicher: „Die Vier-Stufen-Methode eignet sich hier, weil es um eine sicherheitsrelevante, praktische Fertigkeit geht. Zuerst muss der Azubi sehen, wie es richtig geht, dann kann er es selbst üben. Diese Methode stellt sicher, dass er die Sicherheitsregeln verinnerlicht hat, bevor er eigenständig arbeitet."

Der Prüfer merkt: Du hast dir Gedanken gemacht. Du kannst deine Entscheidungen begründen. Das wirkt professionell und kompetent.

Checkliste: Hast du dir alle wichtigen Fragen gestellt?

Nutze diese Checkliste, um dein Grobkonzept vor der Prüfung zu überprüfen:

  • ✓ Was soll der Azubi können? (Konkretes, beobachtbares Lernziel formuliert?)
  • ✓ Warum ist das relevant? (Steht in der Ausbildungsordnung? Typische Alltagssituation?)
  • ✓ Welche Methode passt? (Begründet, warum diese Methode und nicht eine andere?)
  • ✓ Wie lange dauert es? (Realistischer Zeitrahmen angegeben?)
  • ✓ Wie kontrolliere ich? (Konkrete Aufgabe oder Situation zur Lernerfolgskontrolle geplant?)
  • ✓ Welche Besonderheiten? (Sicherheitsaspekte, rechtliche Vorschriften, Vorkenntnisse berücksichtigt?)
  • ✓ Passt es zu meinem Betrieb? (Materialien, Zeit, Räumlichkeiten vorhanden? Echte Alltagssituation?)
  • ✓ Länge? (Passt auf 1-1,5 Seiten? Wenn länger, ist es ein Unterweisungskonzept.)
  • ✓ Kannst du jede Entscheidung begründen? (Teste dich selbst: Warum diese Methode? Warum diese Dauer?)

Wenn du alle Punkte abhaken kannst, bist du gut vorbereitet. Dein Grobkonzept ist nicht nur prüfungstauglich, sondern auch im Betrieb direkt anwendbar.

Prüfungstipps: So erkennst du im Fachgespräch, was gefragt ist

Signal-Wörter beachten: Wenn der Prüfer fragt „Wie sind Sie auf diese Struktur gekommen?", will er wissen, ob du dir die Fragen gestellt hast. Antworte mit den sieben Fragen: „Ich habe mir zuerst überlegt, was der Azubi können soll, dann welche Methode passt…"

Ablenkende Fragen erkennen: Prüfer fragen manchmal: „Ist das ein Grobkonzept oder ein Unterweisungskonzept?" Das ist ein Test, ob du den Unterschied kennst. Antworte ehrlich: „Mein Konzept ist ein Grobkonzept, weil es die Gedankenskizze ist – die grundlegenden Schritte sind klar, aber ich habe nicht alle Details ausformuliert."

Begründung statt Behauptung: Sage nie einfach „Ich nutze die Vier-Stufen-Methode", ohne zu erklären warum. Sage stattdessen: „Ich nutze die Vier-Stufen-Methode, weil der Azubi hier eine praktische, sicherheitsrelevante Fertigkeit lernt. Zuerst muss er sehen, wie es richtig geht, dann kann er es selbst üben."

Zeitmanagement im Fachgespräch: Wenn du dir vor der Prüfung die sieben Fragen gestellt hast, kannst du im Fachgespräch schnell und sicher antworten. Wenn du improvisierst, kostet dich jede Frage Zeit und Nerven.

Keine Panik bei kritischen Fragen: Wenn der Prüfer fragt „Warum haben Sie diese Dauer gewählt? Das erscheint mir kurz", ist das kein Angriff. Er will sehen, ob du deine Planung begründen kannst. Antworte ruhig: „Ich habe 4 Stunden gewählt, weil der Azubi bereits Vorkenntnisse aus dem ersten Lehrjahr hat. Wäre er neu, würde ich 6 Stunden einplanen."

Handlungsempfehlungen für die Praxis

Nutze die Fragen täglich: Jedes Mal, wenn du eine neue Ausbildungseinheit planst, stelle dir die sieben Fragen. Notiere die Antworten kurz – diese Notiz ist dein Grobkonzept. Wenn du das regelmäßig machst, wird strukturiertes Planen zur Gewohnheit.

Sammle deine Grobkonzepte: Erstelle eine einfache Datei oder ein Notizbuch, in dem du alle deine Grobkonzepte sammelst. Die Prüfer wollen sehen, dass du nicht improvisierst, sondern systematisch planst. Eine Sammlung von 5-10 Grobkonzepten zeigt: Das ist mein regelmäßiger Standard.

Besprich dein Konzept mit Kollegen: Zeige dein Grobkonzept einem anderen Ausbilder oder einem Mentor. Frage: „Macht das didaktisch Sinn? Bin ich realistisch bei der Dauer?" Feedback verbessert dein Konzept und gibt dir Sicherheit für die Prüfung.

Teste dein Konzept im Betrieb: Setze dein Grobkonzept einmal im echten Ausbildungsalltag um. So merkst du, ob deine Zeitplanung realistisch ist und ob die Methode funktioniert. Diese echte Erfahrung gibt dir im Fachgespräch Glaubwürdigkeit.

Zeige deinem Azubi die Struktur: Sage deinem Azubi zu Beginn einer Einheit: „Heute lernst du X. Wir machen das so: Zuerst erkläre ich, dann übst du, dann kontrollieren wir." Das gibt dem Azubi Orientierung und zeigt, dass du professionell planst.

Das nimmst du mit

  • Das Grobkonzept ist keine Vorlage, die du ausfüllst, sondern das Ergebnis von sieben bewussten Fragen, die du dir selbst stellst.
  • Die wichtigsten Fragen sind: Was soll der Azubi können? Welche Methode passt? Wie kontrolliere ich den Lernerfolg?
  • Ein gutes Grobkonzept passt auf 1-1,5 Seiten. Wenn es länger ist, ist es bereits ein Unterweisungskonzept.
  • Im Fachgespräch erkennst du, ob ein Kandidat systematisch geplant hat, wenn er jede Entscheidung begründen kann.
  • Präge dir die Checkliste ein: Wenn du alle sieben Fragen beantwortet hast, bist du prüfungssicher und fühlst dich im Fachgespräch selbstbewusst.
  1. IHK Hannover - AEVO Handlungsfelder - https://www.hannover.ihk.de/ausbildung-weiterbildung/ausbildung/ausbilden/ausbildereignung-aevo/handlungsfelder-der-aevo-pruefung
  2. Durchstarten zur Ausbildereignung - AEVO Konzept erstellen - https://aevo-pruefung.net/aevo-konzept/
  3. IHK München - Ausbildungsrahmenplan - https://www.ihk-muenchen.de/ausbildung/berufsausbildung/ausbildungsrahmenplan
  4. AEVO Online - Unterweisungskonzept vs. Grobkonzept - https://www.aevo-online.com/unterweisungskonzept-erstellen/
  5. DIHK - Handlungsorientierte Ausbildung - https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/ausbildung-und-weiterbildung/handlungsorientierte-ausbildung