Kennst du das? Du sitzt in der AEVO-Prüfung und liest: „Eine neue Ausbildungsgruppe arbeitet zum ersten Mal zusammen. Die Auszubildenden sind höflich, zurückhaltend und fragen häufig nach Zuständigkeiten." Du denkst: „Welche Phase ist das? Forming? Storming? Norming?" Die Zeit läuft. Dein Puls steigt. Du rätst zwischen den Antworten und hoffst auf Glück.

Ich habe mich mit diesen Fragen vorbereitet und sehe bei der Prüfungsvorbereitung immer wieder: Die Unterschiede zwischen den Teamphasen sind klarer, als viele denken. Egal ob du zum ersten Mal zur AEVO-Prüfung antrittst oder dich nach Jahren Praxis endlich zertifizieren lassen willst: Diese Fragen tauchen garantiert auf.

Die gute Nachricht: Du musst nicht alle Details auswendig lernen. Du brauchst die typischen Merkmale der Orientierungsphase und weißt dann sofort, welche Maßnahmen passen. Das reicht für sichere Antworten.

In diesem Artikel erfährst du, was die Forming-Phase bedeutet und woran du sie erkennst. Ich zeige dir konkrete Ausbildungssituationen aus verschiedenen Berufen. Außerdem bekommst du drei Merksätze, mit denen du in der Prüfung sofort die richtige Antwort erkennst und dich sicher fühlst.

Was ist die Orientierungsphase?

Forming bezeichnet die erste Phase im Teamentwicklungsmodell nach Bruce Tuckman. Im Deutschen heißt sie Orientierungsphase. Die Beteiligten lernen sich kennen und suchen ihren Platz in der Gruppe. Sie wollen verstehen, welche Ziele, Regeln und Erwartungen gelten.

Typisch sind Zurückhaltung, Höflichkeit, Unsicherheit und ein hoher Orientierungsbedarf. Die Gruppe ist stark auf die Führungskraft oder den Ausbilder angewiesen. Klare Informationen, feste Abläufe und eine wertschätzende Begrüßung geben den Auszubildenden Sicherheit.

Für die AEVO-Prüfung ist Forming vor allem im Handlungsfeld 3 relevant: Ausbildung durchführen. Du musst erkennen, in welcher Entwicklungsphase sich eine Lerngruppe befindet. Daraus leitest du passende Maßnahmen ab. In der Orientierungsphase sind klare Regeln, Kennenlernaktivitäten, Rollenklärung und enge Begleitung sinnvoll.

Woran erkennst du die Forming-Phase?

Neue Gruppen zeigen typische Verhaltensweisen. Die Mitglieder sind höflich und zurückhaltend. Sie fragen häufig nach Zuständigkeiten und warten auf Anweisungen. Offene Konflikte fehlen meist noch.

Die Auszubildenden beobachten sich gegenseitig. Sie prüfen, wer welche Rolle einnimmt und wie die Führungskraft reagiert. Selbstständiges Arbeiten ist kaum möglich, weil wichtige Informationen noch fehlen.

Du erkennst Forming an diesen Signalen:

  • Die Gruppe fragt: „Wer macht was?"
  • Die Beteiligten sprechen wenig miteinander
  • Die Stimmung ist freundlich, aber distanziert
  • Entscheidungen werden nicht getroffen, sondern erwartet
  • Die Gruppe wartet auf klare Ansagen

Warum ist das prüfungsrelevant?

Die AEVO-Prüfung besteht aus vier Handlungsfeldern. Die Forming-Phase taucht besonders in Handlungsfeld 3 auf: Ausbildung durchführen. Du sollst erkennen, wie du eine neue Gruppe am besten begleitest.

Die schriftliche Prüfung umfasst fallbezogene Aufgaben in programmierter Form. Je nach IHK werden häufig 80 Aufgaben in 180 Minuten genannt. Das Tuckman-Modell wird meist nicht als isolierter Begriff geprüft. Es erscheint in Fragen zu Gruppenpädagogik, Motivation, Kommunikation und Lernklima.

Typische Prüfungsformate sind Multiple-Choice-Fragen und Fallstudien. Du ordnest eine Situation der Forming-Phase zu oder wählst passende Führungsmaßnahmen aus. In der praktischen Prüfung bewertet die IHK, ob du Sicherheit, klare Strukturen und Beteiligung herstellst.

Beispiele aus der Ausbildungspraxis

Industriemechaniker: neue Ausbildungsgruppe

Stell dir vor: Du bist Ausbilder in einem Maschinenbauunternehmen. Drei neue Auszubildende stehen zum ersten Mal gemeinsam in der Werkstatt. Sie wissen noch nicht, wer welche Aufgaben übernimmt. Du begrüßt sie, erklärst Sicherheitsregeln, Ausbildungsziele und den Tagesablauf. Danach lässt du sie sich gegenseitig vorstellen.

Das ist klassisches Forming. Die Gruppe braucht Orientierung. Du gibst Struktur und schaffst die Grundlage für spätere Selbstständigkeit.

Elektroniker: erstes gemeinsames Projekt

Du betreust mehrere Elektroniker-Auszubildende. Sie sollen erstmals gemeinsam eine Steuerung verdrahten. Die Gruppe ist vorsichtig und fragt ständig, wer messen, dokumentieren oder die Arbeit kontrollieren soll.

Du erklärst das Projektziel. Du verteilst zunächst klare Rollen. Du kündigst an, die Zuständigkeiten später gemeinsam anzupassen. So schaffst du Sicherheit und bereitest den Weg zur Selbstorganisation vor.

Industriekaufleute: Einführung in den Betrieb

Du bist Ausbilder in einem Industrieunternehmen. Du empfängst zwei neue Industriekaufleute. Du zeigst ihnen wichtige Abteilungen, stellst Ansprechpartner vor und erklärst Regeln zu Kommunikation, Datenschutz und Arbeitszeiten.

Ein kurzer Rundgang mit festen Anlaufstellen verhindert, dass die Auszubildenden sich am ersten Tag verloren fühlen. Diese Maßnahmen gehören zur Forming-Phase.

Tischler: erste Werkstattaufgabe

Du bist Ausbilder in einer Tischlerei. Dein neuer Auszubildender kennt weder die Werkzeuge noch die Abläufe. Er beobachtet zunächst schweigend. Du erklärst die Werkstattordnung, zeigst die wichtigsten Maschinen und vereinbarst eine einfache Einstiegsaufgabe mit einem klaren Ergebnis.

Auch in der Einzelausbildung gibt es eine Orientierungsphase. Der Auszubildende braucht Informationen, Regeln und ein erreichbares erstes Ziel.

Kraftfahrzeugmechatroniker: neue Projektgruppe

Du leitest eine Gruppe von Auszubildenden. Sie sollen gemeinsam eine Diagnose an einem Fahrzeug durchführen. Die Beteiligten sind freundlich, aber unsicher. Sie warten auf jede einzelne Anweisung.

Du klärst zunächst das Ziel, die Sicherheitsvorgaben und die Reihenfolge der Arbeitsschritte. Danach beginnt die Gruppe selbstständig zu arbeiten. Du hast die Forming-Phase bewusst strukturiert.

Hotelfachleute: erster Einsatz im Service

Du bist Ausbilder in einem Hotel. Du setzt zwei neue Auszubildende erstmals gemeinsam im Frühstücksservice ein. Du erklärst, wer für Gästebegrüßung, Nachfüllen und Abräumen zuständig ist. Danach führst du eine kurze Feedbackrunde durch.

So erhalten die Auszubildenden Orientierung. Sie wissen, an wen sie sich bei Fragen wenden können. Die Forming-Phase wurde aktiv gestaltet.

Typische Fehler und Verwechslungen

Viele Prüflinge setzen Forming mit Konflikten gleich. Das ist falsch. In der Forming-Phase herrscht meist Zurückhaltung. Offene Macht- und Sachkonflikte gehören eher zum Storming. Forming fragt: „Wie läuft es hier?" Storming fragt: „Warum soll ich das machen?"

Ein weiterer Fehler: zu früh Selbstständigkeit verlangen. Ein Ausbilder überlässt neuen Auszubildenden sofort komplexe Aufgaben. Besser sind klare erste Schritte, erreichbare Ziele und eine schrittweise Erweiterung der Verantwortung.

Manche Ausbilder geben nur organisatorische Informationen. Arbeitszeiten und Räume allein reichen nicht. Die Gruppe braucht auch persönliche Orientierung, Ansprechpartner, Rollenklärung und Möglichkeiten zum Kennenlernen.

Die Phase ist kein einmaliger Vorgang. Forming kann bei einer neuen Projektgruppe oder nach einem Abteilungswechsel erneut auftreten. Dann müssen Regeln und Rollen wieder geklärt werden.

Zu stark kontrollieren ist ebenfalls ein Fehler. Enge Begleitung bedeutet nicht, jede Handlung vorzuschreiben. Der Ausbilder gibt zunächst Struktur und baut die Unterstützung anschließend passend zum Lernfortschritt ab.

Forming, Storming, Norming, Performing: Was ist der Unterschied?

In Forming suchen die Mitglieder Orientierung. In Storming treten häufiger Konflikte über Rollen, Einfluss und Vorgehensweisen auf. Forming ist von Unsicherheit geprägt, Storming von Auseinandersetzungen.

In Norming entstehen gemeinsame Regeln, Routinen und ein stärkeres Wir-Gefühl. Die Gruppe akzeptiert und lebt die Regeln. Forming findet Regeln, Norming akzeptiert sie.

Performing beschreibt eine leistungsfähige, weitgehend selbstständige Gruppe. In Forming ist die Gruppe noch stark auf Anleitung angewiesen. Forming braucht Führung, Performing nutzt Selbststeuerung.

Adjourning bezeichnet die Auflösungs- oder Abschlussphase einer Gruppe. Forming steht dagegen am Anfang des Gruppenprozesses. Forming beginnt, Adjourning beendet.

Verwechsle Forming nicht mit einer Einzelunterweisung. Die Unterweisung ist eine Methode zur Vermittlung einer konkreten Fertigkeit. Forming beschreibt dagegen die Entwicklung einer Gruppe.

Auch Onboarding ist etwas anderes. Onboarding umfasst die systematische Einarbeitung und Integration einer Person in den Betrieb. Forming ist nur eine mögliche Gruppenphase innerhalb dieses Prozesses.

Falsch vs. richtig gemacht

Falsch gemacht: Du schickst drei neue Auszubildende ohne Begrüßung und Einweisung in die Werkstatt. Jeder beginnt eine andere Aufgabe. Sicherheitsregeln werden übersehen. Die Auszubildenden trauen sich nicht, Fragen zu stellen. Unsicherheit und Fehler sind die Folge.

Richtig gemacht: Du begrüßt die Gruppe. Du stellst die zuständigen Personen vor. Du erklärst Schutzmaßnahmen und formulierst ein gemeinsames Tagesziel. Danach verteilst du einfache Rollen und prüfst, ob alle den Ablauf verstanden haben. Die Gruppe fühlt sich sicher und kann produktiv arbeiten.

So merkst du dir das

Nutze diese drei Merksätze:

  • Forming fragt: „Wie läuft es hier?" Die Gruppe sucht Orientierung, nicht Konfrontation.
  • Erst kennenlernen, dann zusammenarbeiten. Ohne Struktur keine Selbstständigkeit.
  • FORMING = Finden, Orientieren, Regeln, Miteinander, Informationen, Nähe durch Führung.

Stelle dir eine Gruppe vor, die an einem unbekannten Bahnhof steht. Sie sucht zunächst Wegweiser, Fahrplan und Ansprechpartner. Genauso braucht eine neue Ausbildungsgruppe Ziele, Regeln, Rollen und Ansprechpartner.

Die Führungsformel lautet: „Klar starten, gemeinsam orientieren, schrittweise loslassen." Du gibst zunächst Struktur. Du begleitest die Gruppe eng. Du baust die Unterstützung ab, sobald die Gruppe sicherer wird.

Prüfungstipps

Achte auf Signalwörter wie „neu", „kennenlernen", „unsicher", „zurückhaltend", „wer macht was?" und „wartet auf Anweisungen". Diese Begriffe zeigen die Forming-Phase an.

Wähle bei Forming meist Antworten mit klarer Struktur, Orientierung, Kennenlernen und enger Begleitung. Misstraue Distraktoren, die sofortige Selbstorganisation, harte Kontrolle oder bewusst herbeigeführte Konflikte verlangen.

Unterscheide Forming und Storming genau: Unsicherheit ohne offenen Konflikt spricht für Forming. Streit über Rollen und Einfluss eher für Storming.

In der praktischen Prüfung kannst du Forming sichtbar berücksichtigen. Erkläre zu Beginn Ziel, Ablauf, Rollen und Erwartungen transparent. Zeige, dass du die Gruppendynamik kennst und bewusst steuerst.

Erkenne falsche Antworten: „Die Gruppe sofort ohne Anleitung arbeiten lassen" ist typischerweise falsch. „Ziele, Regeln und Rollen klar erläutern" ist typischerweise richtig.

Das nimmst du mit

  • Forming ist die erste Phase im Tuckman-Modell und bedeutet Kennenlernen und Orientierung
  • Typische Merkmale sind Unsicherheit, Zurückhaltung, Höflichkeit und Abhängigkeit von der Führungskraft
  • Der Ausbilder sorgt für klare Ziele, Regeln, Rollen, Abläufe und Ansprechpartner
  • Forming ist von Storming zu unterscheiden: In Forming stehen Orientierung und Kennenlernen im Vordergrund, nicht offene Konflikte
  • Präge dir die Signalwörter ein: „neu", „kennenlernen", „unsicher", „wer macht was?" und „wartet auf Anweisungen"
  1. Teamentwicklung nach Tuckman verstehen - https://www.aevoakademie.de/magazin/teamentwicklung-nach-tuckman-ein-leitfaden-fuer-ausbilder/
  2. Phasenmodell von Tuckman: 5 Phasen, 3 Merksätze für die Praxis - https://aevo-pruefungsfragen.de/blog/das-phasenmodell-von-tuckman/
  3. Prüfung nach der Ausbildereignungsverordnung (AEVO), IHK Dresden - https://www.ihk.de/dresden/hauptnavigation/fortbildung/pruefung-nach-der-ausbildereignungsverordnung-aevo--5912998
  4. Leitfaden AEVO, IHK Köln - https://www.ihk.de/koeln/hauptnavigation/weiterbildung/fortbildungspruefungen/aevo-leitfaden-5236488
  5. AEVO - Ausbildereignungsprüfung, IHK Halle-Dessau - https://www.ihk.de/halle/produktmarken/aus-und-weiterbildung/pruefungen/fortbildungspruefungen/fortbildungspruefungen-von-a-z/ausbilder-eignungspruefung-3171182
  6. Handreichung zum Prüfungsablauf der Ausbilder-Eignungsprüfung - https://www.ihk.de/blueprint/servlet/resource/blob/6236890/072c8f7bc91b92c8d0d4fe7c5ea2114e/handreichung-aevo-data.pdf
  7. Berufsbildungsgesetz (BBiG), Gesetze im Internet - https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/BJNR093110005.html
  8. AEVO-Rahmenlehrplan, IHK Chemnitz - https://www.ihk.de/chemnitz/aus-und-weiterbildung/ausbildungsbetrieb/aktuelles-in-der-ausbildung/aevo-rahmenlehrplan-5908260
  9. Ausbildereignungsprüfung, IHK Emden - https://www.ihk.de/emden/produktmarken/bildung/weiterbildung/ihk-fortbildungsabschluesse/ausbilder-eignungspruefung2-5922806